Burnout?

24. Mai 2008

Die Ereignisse überschlagen sich derart momentan, dass ich gar nicht weiß, wie ich darüber schreiben soll. Man ist ja versucht, erstmal das Vorwort zum Blog zu verfassen und nicht gleich mittenrein in die Materie zu springen. Andererseits schaffe ich mir so einen Blog ja nicht umsonst an. Dass ich ihn zu Reflexion brauche, kommt ja nicht von ungefähr. Und der Zeitpunkt der Umsetzung ist vermutlich auch einem inneren Alarmsignal geschuldet, dass es jetzt wieder zur Sache geht.

Nun denn, zur Sache also: Eine Kollegin von mir scheint auszusteigen. Und zwar komplett. Psychisch vor allem. Ich vermute mal so aus der kollegialen Ferne, dass sie ausgebrannt ist. Aber das ist nur eine begründete Vermutung. Sie hat in den letzten fünf Jahren zwei Kinder in die Welt gesetzt, ihren Mann in die Selbstständigkeit begleitet und deshalb auch keine Elternzeit genommen, ein Haus gebaut (ist noch nicht fertig) und „nebenbei“ den ständigen Arbeitsdruck bei uns ausgehalten. Wir haben mal zusammen Azubigruppen geführt und sehr gut zusammen gearbeitet. Das ist auch bald vier Jahre her. In der Zwischenzeit wurde sie in einem anderen Standort eingesetzt, hatte mit einer katastrophalen neueingestellten und jetzt in Dauerkrankheit verharrenden Sozialpädagogin zu tun, musste einige Zeit zwei Gruppen alleine führen und ist nunmehr mit einer (bisher – die Erfahrung lässt einen vorsichtig werden) guten neuen Sozialpädagogin im Team.

Jetzt kam die Zeit der Audits. Bei ihr ist es ein Nachaudit, nachdem sie Ende letzten Jahres schon mal kontrolliert wurde und es diverses zu bemängeln gab. Das war der Zeitpunkt, als sich die neue Sozpäd in Dauerkrankheit verabschiedete. Festgestellt wurden dabei nämlich erheblich Mängel an ihrer Arbeit. So, und nun kommt das Nachaudit. Im Vorfeld kontrollierte die Abteilungsleitung und stieß auf erhebliche Probleme: Praktikumsverträge ohne Unterschrift des Azubis, Praktikumsbeurteilungen ohne Aussagekraft, Förderpläne ohne nennenswerte Auswertung, nicht gemachte Fragebögen, fehlende Zensurenanalyse – ein Fass ohne Boden. Und das, nachdem diese Mängel im letzten Jahr schon benannt wurden. Puhh. Ein Notfahrplan wurde eingesetzt und wir Kollegen halfen bei der Ausbesserung der Akten: Unterschriften einholen, Beurteilungen neu schreiben, Förderpläne auswerten… grauenhaft. Ich hasse sowas!

Und dann, wenige Tage vor dem eigentlichen Audit, meldet sie sich krank. Und ist seitdem verschollen. Keine telefonische Meldung, wie lange sie krank bleibt. Wenn einer von uns anruft, geht sie nicht ran. Nur ein eingehender Krankenschein bis zum Ende der Woche. Kommt sie nun Montag? Wie sollen wir das Personal planen? Was ist überhaupt los?

Interessanterweise geriet das Audit durch diese Aktion in der eigenen Wahrnehmung aus dem Fokus. Das haben wir nun so nebenbei absolviert. Ja, absolviert. Uff, große Erleichterung überall. Doch statt uns darüber freuen zu können, rotieren jetzt alle um das Thema „was passiert da gerade bei unserer Kollegin und wie wollen/sollen/können wir damit umgehen?“

Eine Antwort schreiben