es werde Licht

27. Mai 2008

Montag hat sie sich gemeldet und wir konnten ein paar private Worte wechseln. Viele waren es nicht, denn dann purzelten die Tränchen. “Ich muss das Licht wieder finden”, sagt sie. Und ich glaube nicht so recht, dass es mit einer Überweisung zum Psychologen und einer insgesamt dreiwöchigen Auszeit getan ist. Das wird ein langer Weg…

Für uns hieß das erstmal alle bisherigen Einsatzpläne umschmeißen und zwei weitere Gruppen abdecken. Zu guter Letzt meldete sich dann auch noch eine weitere Kollegin krank. Da war das Chaos dann komplett! Und das in der Prüfungsphase… Einige Gruppen haben die schriftliche Abschlussprüfung jetzt hinter sich und werden in wenigen Wochen die mündliche absolvieren. Es sind in diesem Jahr eher schwache Gruppen am Start. Gruppen, mit Wortführern, die das Lernen nie gelernt haben und sich standhaft weigern, irgendwas zu tun. Gruppen ohne Zusammenhalt. Gruppen mit Zusammenhalt und Leistungswillen aber vielen Problemfällen sozialer, gesundheitlicher oder auch lerntechnischer Natur (interessanterweise gibt es leistungstechnisch tatsächlich Jahrgänge, wie gesagt aus unterschiedlichen Gründen, aber sortiert nach Jahren).

Es ist also ein Phase der Ausbildung, die – insbesondere angesichts der Gruppen – erhöhten Einsatz braucht. Und wenn dann zwei Ausbilder ausfallen, dann wird die Personaldecke dünn. Und man kann halt nicht alles und jeden durch Honorarkräfte abfedern. Gerade die sozial Benachteiligten brauchen ihre Vertrauenspersonen. Naja, die zweite Kranke fällt nur kurz aus. Das ist immerhin ein Trost…


Burnout?

24. Mai 2008

Die Ereignisse überschlagen sich derart momentan, dass ich gar nicht weiß, wie ich darüber schreiben soll. Man ist ja versucht, erstmal das Vorwort zum Blog zu verfassen und nicht gleich mittenrein in die Materie zu springen. Andererseits schaffe ich mir so einen Blog ja nicht umsonst an. Dass ich ihn zu Reflexion brauche, kommt ja nicht von ungefähr. Und der Zeitpunkt der Umsetzung ist vermutlich auch einem inneren Alarmsignal geschuldet, dass es jetzt wieder zur Sache geht.

Nun denn, zur Sache also: Eine Kollegin von mir scheint auszusteigen. Und zwar komplett. Psychisch vor allem. Ich vermute mal so aus der kollegialen Ferne, dass sie ausgebrannt ist. Aber das ist nur eine begründete Vermutung. Sie hat in den letzten fünf Jahren zwei Kinder in die Welt gesetzt, ihren Mann in die Selbstständigkeit begleitet und deshalb auch keine Elternzeit genommen, ein Haus gebaut (ist noch nicht fertig) und “nebenbei” den ständigen Arbeitsdruck bei uns ausgehalten. Wir haben mal zusammen Azubigruppen geführt und sehr gut zusammen gearbeitet. Das ist auch bald vier Jahre her. In der Zwischenzeit wurde sie in einem anderen Standort eingesetzt, hatte mit einer katastrophalen neueingestellten und jetzt in Dauerkrankheit verharrenden Sozialpädagogin zu tun, musste einige Zeit zwei Gruppen alleine führen und ist nunmehr mit einer (bisher – die Erfahrung lässt einen vorsichtig werden) guten neuen Sozialpädagogin im Team.

Jetzt kam die Zeit der Audits. Bei ihr ist es ein Nachaudit, nachdem sie Ende letzten Jahres schon mal kontrolliert wurde und es diverses zu bemängeln gab. Das war der Zeitpunkt, als sich die neue Sozpäd in Dauerkrankheit verabschiedete. Festgestellt wurden dabei nämlich erheblich Mängel an ihrer Arbeit. So, und nun kommt das Nachaudit. Im Vorfeld kontrollierte die Abteilungsleitung und stieß auf erhebliche Probleme: Praktikumsverträge ohne Unterschrift des Azubis, Praktikumsbeurteilungen ohne Aussagekraft, Förderpläne ohne nennenswerte Auswertung, nicht gemachte Fragebögen, fehlende Zensurenanalyse – ein Fass ohne Boden. Und das, nachdem diese Mängel im letzten Jahr schon benannt wurden. Puhh. Ein Notfahrplan wurde eingesetzt und wir Kollegen halfen bei der Ausbesserung der Akten: Unterschriften einholen, Beurteilungen neu schreiben, Förderpläne auswerten… grauenhaft. Ich hasse sowas!

Und dann, wenige Tage vor dem eigentlichen Audit, meldet sie sich krank. Und ist seitdem verschollen. Keine telefonische Meldung, wie lange sie krank bleibt. Wenn einer von uns anruft, geht sie nicht ran. Nur ein eingehender Krankenschein bis zum Ende der Woche. Kommt sie nun Montag? Wie sollen wir das Personal planen? Was ist überhaupt los?

Interessanterweise geriet das Audit durch diese Aktion in der eigenen Wahrnehmung aus dem Fokus. Das haben wir nun so nebenbei absolviert. Ja, absolviert. Uff, große Erleichterung überall. Doch statt uns darüber freuen zu können, rotieren jetzt alle um das Thema “was passiert da gerade bei unserer Kollegin und wie wollen/sollen/können wir damit umgehen?”


Guten Tag

8. Mai 2008

Dieser Blog dient dem Festhalten und Nachdenken über mein Berufsleben. Weil ich im Berufsalltag für das Nachdenken kaum Zeit habe, brauche ich dafür einen anderen Ort. Weil Nachdenken alleine langweilig ist und oft auch nix dabei rum kommt, ist dies ein öffentlicher Blog. Damit ich frei von der Leber weg erzählen kann, vertusche ich meine Identität, nenne nicht meinen Arbeitsgeber und benenne Personen um.

Ich habe die leise Hoffnung, dass sich mit der Zeit Leser einfinden, die meine Gedanken durch ihre bereichern. Dies soll kein journalistischer Blog werden, wo der Schreiberling vermeintlich mehr weiß als andere. Hier und da halte ich vielleicht auch mal Studienergebnisse oder Fachliches fest. Aber im Prinzip will ich meinen Alltag zum Thema machen.